2.Worauf stützen sich die gemachten Angaben zur Jugendkriminalität?
3.Welche Personen meint man, wenn man über die Jugendkriminalität spricht?
4.Wie viel und welche Altersstufen der Jugendkriminalität unterscheidet man? Wie heißen diese Stufen?
5.Wie werden die Personen unter 14 Jahre bestraft?
6.Welche Erziehungsmaßnahmen werden für Kinder angeordnet?
7.Wie werden die Jugendlichen bestraft?
8.Welche Personen gehören zu den Heranwachsenden? Wie werden sie bestraft?
9.Wie steht es mit der Bestrafung der Jugendlichen in Russland?
Text 3
Der Trend zur Gruppenbildung
Straftaten durch Jugentliche und auch Heranwachsende werden häufig in den Gruppen begangen. Jugendliche durchlaufen eine
Entwicklungsphase, in der sie generell zur Bildung von GleichaltrigenGruppen neigen.
Die Jugendforschung zeigt, dass mit dem nachlassenden Einfluss des Elternhauses, der Schule, Nachbarschaft und Kirche die Bedeutung informeller Jugendgruppen immer weiter zugenommen hat. Jugendliche suchen in solchen Gruppen Freizeiterlebnisse und Anerkennung, soziale Bindungen sowie Schutz und Sicherheit. Viele Jugendliche orientieren sich an den Normen und Verhaltensweisen ihrer Bezugsgruppe.Wenn in einer solchen Gruppe Straftaten begangen werden oder herrschen aggressive Verhaltensweisen vor, um damit sonstige Einflussdelikte und
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Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren, ist es möglich, dass einzelne Gruppenmitglieder dieses Verhalten übernehmen. Vorhandene Hemmungen gegenüber kriminellem oder gewalttätigem Handeln können abgebaut werden. Anstelle des „Ich-Bewusstseins“ tritt ein „Wir-Bewusstsein“ ein.
Die Bandbreite der Gleichaltrigen-Gruppen reicht von spontan sich bildenden Gruppierungen ohne erkennbare Organisation bis hin zu durchstrukturierten und dauerhaften Gruppen. Es überwiegen jedoch die zahlreichen Zusammenschlüsse von Kindern und Jugendlichen in Gelegenheitsund Spontan-Gruppen. Sobald sich eine günstige Gelegenheit bietet, kann es aber zu strafbaren Handlungen kommen.
Aus solchen Gruppen kann sich im Einzelfall auch eine kriminelle Jugendbande entwickeln, deren Zweck das Begehen gemeinschaftlicher Straftaten ist. Innerhalb solcher Gruppen kommt es oft zu Rollenverteilungen (Bandenchef, Berater, Spezialisten und Mitläufer). Es besteht die Gefahr, dass durch den Gruppeneinfluss unsoziales oder kriminelles Verhalten gefördert bzw. verfestigt wird.
Öffentliche Aufmerksamkeit erregen vor allem in Großstädten
Gruppierungen wie Punks, Hooligans und Skinheads.
Mit der Bewertung solcher Gruppen muss man umsichtig umgehen. „Protest-Verhalten“ als Übergangsphase auf dem Weg zum Erwachsenenstatus ist typisch für junge Menschen und kann verschiedene Formen annehmen. Mit sozialpädagogischen oder auch strafrechtlichen Mitteln kann man eingreifen, wenn die Jugendlichen andere Personen ernsthaft gefährden und wenn sie Straftaten begehen
Aufgabe. Beantworten Sie folgende Fragen zum Imhalt des Textes.
1.Was suchen die Jugendlichen in den informellen Jugendgruppen?
2.In welchem Alter neigen die Jugendlichen zur Bildung der gleichaltrigen Gruppen?
3.Unter welchen Bedingungen neigen sie zur Bildung solcher Jugendgruppen?
4.Welche Arten der Jugendgruppierungen unterscheidet man?
5.Worin besteht die Gefahr der Bezugsgruppe?
6.Worin besteht der Zweck der kriminellen Jugendbande?
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7. Welche Jugendgruppierungen sind in den Großstädten am meisten verbreitet?
8. Wie erklären Sie die Entstehung des „Protest-Verfahrens“ der
Jugendlichen?
Text 4
Diebstahlskriminalität
Der Bereich der Diebstahlskriminalität stellt mit über 50% den größten Anteil an den polizeilich bekannt gewordenen Straftaten. Der
Anteil junger Tatverdächtigen ist bei dieser Deliktgruppe überproportional.
Besonders stark vertreten sind die jungen Tatverdächtigen bei den
Delikten Diebstahl aus Kraftfahrzeugen, aus Kiosken, von und aus Automaten, Diebstahl von Fahrrädern und von Mopeds. Dennoch gilt der Ladendiebstahl junger Tatverdächtigen als das jugendtypische Diebstahlsdelikt. Dabei wurde der Anteil tatverdächtiger Kinder innerhalb der letzten 10 Jahre immer größer.
Sehr oft weist man auf die veränderte Lebensituation heutiger Kinder und Jugendlicher hin. Diese Situation ist geprägt durch eine immer weiter perfektionierte Produktwerbung in sämtlichen Medien und die dadurch allgegenwärtige Verführung zum Konsum. Man beobachtet heute einen weit verbreiteten Trend hin zu einer statusorientierten Konsumkultur, die sich unter anderem in Form von Markenfetischismus,
Trendsportarten oder teuren Freizeitkonsumartikeln äußert. Diese
Tendenz gibt es sowohl in der Erwachsenengesellschaft, aber auch schon bei Kindern und Jugendlichen. Eine ausgeprägte Konsumorientierung wird verstärkt durch familiäre Einflüsse und Erziehung, die den Selbstwert und eine eigenständige Persönlichkeit zu
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wenig fördern. Außerdem fehlen Erlebnisräume für Kinder zur
Selbstgestaltung von Freizeit.
„Geklaut“* wird zum Teil aus materiellen Gründen, etwa wenn das Taschengeld nicht reicht, aber auch aus Frust und Langweile, Abenteuerlust und Nervenkitzel und nicht zuletzt in Gemeinschaft mit anderen, beispielsweise als Mutprobe zur Steigerung der persönlichen Anerkennung innerhalb der Gleichaltrigen-Gruppe. Im Vordergrund eines Diebstahlsdelikts steht bei jungen Menschen nicht unbedingt der Sachwert einer Ware, sondern der symbolische Wert des widerrechtlich angeeigneten Gutes.
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* klauen (молодёжный сленг) воровать
Aufgabe. Beantworten Sie folgende Fragen zum Imhalt des Textes.
1.Welche Verbrechensarten bilden den größten Anteil der Jugendkriminalität?
2.Welche Diebstahlsdelikte verüben die Jugendlichen?
3.Steigt die Zahl der Tatverdächtigen der Kinder an?
4.Welche Bedingungen beeinflussen das deviante Verhalten der Kinder und Jugendlichen?
5.In welcher Form äußert sich die statusorientierende
Konsumkultur zur Zeit?
6.Aus welchen Gründen wird „geklaut“?
7.Welche Mittel sind beim gefährdenden Verhalten der Jugendlichen zu fördern?
Text 5
Das Phänomen „Gewalt“
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Im Bereich der Gewaltkriminalität treten junge, meist männliche Tatverdächtige vor allem beim Raub und bei der gefährlichen Körperverletzung auf. So waren drei Viertel der Tatverdächtigen beim Straßenraub, zwei Drittel der Verdächtigen beim Handtaschenraub und die Hälfte der Tatverdächtigen bei der gefährlichen Körperverletzung unter 21 Jahre. Die Zahl der Kinder hat sich in den letzten Jahren vervielfacht.
Neben den Daten aus der polizeilichen Kriminalstatistik gibt es aber auch Beobachtungen der Pädagogen und Polizeipraktikern, die auf eine zumindest qualitative Veränderung bei der Gewaltausübung durch junge Menschen verweisen. Heute wird zum Teil brutaler zugeschlagen, ungeschriebene Regeln - wie Fairness gegenüber Schwächeren oder Verlierern - werden seltener eingehalten als früher.
Fragt man nach den Ursachen dieser Entwicklung, wird häufig auf die veränderte Lebenssituation heutiger Jugendlicher hingewiesen. Diese Situation ist geprägt durch Ausbildungsund Arbeitsplatzmangel und damit verbundene Perspektivlosigkeit und Selbstwertproblematik, Orientierungsschwierigkeiten, Erziehungsdefizite, nichtjugendgerechte Wohnund Lebensverhältnisse sowie durch die Auswirkungen zunehmender medialer Gewalt.
Angesichts solcher Hintergründe und Einflüsse erscheint es wenig erfolgversprechend, Gewaltdelikte von jungen Menschen vor allem mit einer Verschärfung des Strafrechts zu begegnen. Erforderlich ist es, die Prävention dort anzusetzen, wo die Wurzeln der Gewaltbereitschaft liegen, also im sozialen und erzieherischen Bereich.
Wenn über das Phänomen „Gewalt“ durch jugendliche Täter gesprochen wird, darf jedoch keinesfalls die Perspektive der Opfer bzw. der potenziellen Opfer vergessen werden. Bedenklich ist die Tatsache, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Angst vor Gewalttaten in ihrem schulischen und Freizeit-Umfeld haben.
Angst vor Gewalt wird von vielen Jugendlichen auch als
Begründung für die Mitnahme von Waffen genannt. Eine Bewaffnung von Jugendlichen ist aber grundsätzlich abzulehnen, da die Gefahr groß ist, dass im Konfliktfall eine mitgeführte Waffe auch tatsächlich eingesetzt wird und dadurch eine Situation gefährlich eskaliert.
Aufgabe. Beantworten Sie folgende Fragen zum Imhalt des Textes.
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