Text 14
Jugendkriminalität und die Polizei
Jugendkriminalität erfordert die besondere Aufmerksamkeit der Polizei. Das bedeutet nicht nur Aufklärung von Straftaten und Ermittlung des Straftäters, sondern auch die Bekämpfung der Gefährdungsbedingungen, die sich kriminalitätsfördernd auswirken können. Insofern kommt der Vorbeugung eine besondere Bedeutung zu.
Die Polizei ist bestrebt, ihre Tätigkeit ständig zu überprüfen und zu verbessern. In den letzten Jahren ist eine große Anzahl von Beamten zu
„Jugendsachbearbeitern“ |
ausgebildet worden. |
Die Ausbildung wird |
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fortgeführt. |
In |
Fortbildungsseminaren |
wird |
das |
erworbene Wissen |
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vertieft. |
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Für Ermittlungsvorgänge bei der Polizei, an denen |
Kinder und |
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Jugendliche |
beteiligt |
sind, |
besteht |
eine |
besondere |
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Polizeidienstvorschrift. |
Sie regelt für alle Polizeibeamte, |
wie Kinder |
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und Jugendliche |
mit Rücksicht auf Alter und Entwicklungsstand |
zu |
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behandeln |
sind, |
beziehungsweise |
welche |
rechtlichen |
und |
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pädagogischen Besonderheiten zu beachten sind. Auch hier steht der
Schutz der jungen Menschen vor überflüssigen Belastungen im Vordergrund. In allen Polizeibehörden ist eine Polizeibeamtin bzw. ein
Polizeibeamter beauftragt, |
die örtliche |
Entwicklung |
der |
Jugendkriminalität zu beobachten und Vorschläge |
für Verhütungs- |
und |
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Bekämpfungsmaßnahmen zu bearbeiten. |
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Ihre Aufgabe erschöpft sich nicht in ihrer auswertenden und koordinierenden Tätigkeit im innerpolizeilichen Bereich. Wichtig ist vielmehr auch eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden der öffentlichen Jugendhilfe, den Justizund Schulbehörden sowie den mit Jugendfragen befassten Organisationen und Verbänden. Die Zusammenarbeit zielt vorrangig darauf ab,
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einen intensiven Erfahrungsaustausch zu |
pflegen, bei dem |
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Probleme gemeinsam gelöst und bei |
dem unterschiedliche |
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Intentionen aufeinander abgestimmt werden können und |
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gemeinsame Vorbeugungsmaßnahmen durchzuführen. |
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Die für diese Aufgabe eingesetzten Polizeibeamten stehen allen Interessierten als Partner für Diskussionen, Vorträge und Einzelgespräche zur Verfügung. Besonders wichtig ist die nahtlose Zusammenarbeit mit den zuständigen Jugendämtern.
Aufgabe. Beantworten Sie folgende Fragen zum Imhalt des Textes.
1.Worin besteht die Schwierigkeit der Arbeit der Polizei in den
Fällen der Jugendkriminalität?
2.Welches Problem steht bei der Bearbeitung der Fälle der
Jugendkriminalität an der erster Stelle?
3.Wo können sich die Polizisten fortbilden?
4.Was steht im Vordergrund der besonderen Polizeivorschrift?
5.Wozu sind alle Polizisten beauftragt?
6. |
Worin besteht die Aufgabe der Polizeibeamtenbei der |
Bearbeitung der Fälle der Jugendkriminalität? |
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7. |
Welche Behörden wirken bei der Bekämpfung der |
Jugendkriminalität mit? |
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8. |
Worauf zielt diese Zusammenarbeit? |
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Text 15
Studie zum Sozialverhalten junger Russlanddeutschen
Die Intergration der jungen Russlanddeutschen ist nicht nur ein
Sprachproblem. Eine Untersuchung der Universität Duisburg-Essen zeigt, dass es auch das Verständnis von Ehre ist. Mehr als 2 Millionen von Russlanddeutschen sind nach Deutschland gekommen. Der Anteil der einreisenden Aussiedler ohne deutsche Sprachkenntnisse erreicht etwa 70%.
Dabei entstehen neue Probleme: Im Gegensatz zur deutschen Leitkultur, sich als Opfer an die Polizei zu wenden, zeigt die Untersuchung der Russlanddeutschen, dass sich nur etwa 8% der männlichen Jugendlichen z.B. im Fall einer Körperverletzung an die
Polizei wenden.
Die Erklärung: In den Herkunftsländern gilt die Gewalt für die Russlanddeutschen als normal. Wegen einer Körperverletzung geht man nicht zur Polizei. Dies ist die Frage der Ehre. Das Problem besteht auch darin, dass die dortige Polizei als korrupt und willkürlich angesehen wird. Eine polizeiliche Schutzfunktion wollen die Jugendlichen nicht annehmen.
Die Untersuchung unterscheidet drei Gruppen bei den jungen
Männern. Es sind die Devianten, die Unauffälligen und die Opfer. Die devianten Russlanddeutschen sind eine kleine, aber auffällige
Subkultur. Die Gewalt ist hier eine Frage von Hierarchie, weil sie Verehrung bringt. Diese Jugendlichen haben schon Erfahrung mit der deutschen Polizei. Nach dem Vorbild der Organisierten Kriminalität übt diese Gruppe ein absolutes Schweigegebot aus..
Die größere Mehrheit zählt zu den unauffälligen
Jugendlichen. Sie suchen weniger Anerkennung durch Anwendung von Gewalt, wenn sie diese jedoch auch nicht generell ablehnen.
Die dritte Gruppe, die Opfer, sind keine Gruppe im engeren Sinne. Ihr Problem besteht darin, dass diese Gruppe junger
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Russlanddeutscher immer wieder Repressalien von Seiten der Devianten
Jugendlichen ausgesetzt sind. Sie werden Opfer körperlicher Gewalt und Erpressung. Das Problem besteht darin, dass die Mehrheit der junger Männer ihren Kodex und Gewalt akzeptiert.
Leider fehlt es an muttersprachlichen Möglichkeiten, um ein Verständnis der jungen Russlanddeutschen zu stabilisieren.
(die Zeitschrift „Der Kriminalist“)
Aufgabe. Beantworten Sie folgende Fragen zum Imhalt des Textes.
1.Welche Probleme entstehen bei der Integration der Russlanddeutschen?
2.Wie groß ist der Anteil der Aussiedler ohne Sprachkenntnisse?
2.Wie groß ist der Anteil der jungen Russlanddeutschen, die sich
an die Polizei wenden?
3.Warum gehen die Jugendlichen im Falle einer Körperverletzung zur Polizei nicht?
4.Wie heißen drei Gruppen bei den jungen Männern?
5.Charakterisieren Sie jede Gruppe bei den jungen Männern.
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Inhaltsverzeichnis |
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Text 1 |
Vorwort ....................................................................................... |
3 |
Text 2 Begriff der Jugendkriminalität ................................................... |
4 |
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Text 3 Der Trend zur Gruppenbildung .................................................. |
6 |
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Text 4 |
Diebstahlkriminalität .................................................................. |
8 |
Text 5 |
Das Phänomen „Gewalt“ .......................................................... |
9 |
Text 6 |
Graffiti ...................................................................................... |
11 |
Text 7 |
Die Drogenszene ...................................................................... |
12 |
Text 8 |
Risikofaktoren .......................................................................... |
14 |
Text 9 |
Familie ...................................................................................... |
16 |
Text 10 Wohnsituation, Wohnumfeld und Freizeit ............................. |
18 |
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Text 11 |
Jugendarbeitslosigkeit ............................................................ |
20 |
Text 12 Wirkung von Medien ............................................................. |
22 |
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Text 13 Reizüberflutung, Werbung und Konsumdruck ..................... |
24 |
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Text 14 Jugendkriminalität und Handeln der Polizei .................. |
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Text 15 |
Studie zum Sozialverhalten der jungen Russlanddeutschen. |
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Quellen
„Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen“. LKA NRW.
Düsseldorf. 2005.
Die Süddeutsche Zeitung. 2007.
Wahrig. Deutsches Wörterbuch. Bertelsmann. 2005.
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